Otto Modersohn Museum

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Westfalen

Neben seinem Studium an der Akademie in Düsseldorf und während seiner Ferienaufenthalte zu Hause in Münster, Soest und Tecklenburg, im Harz und auf der Nordseeinsel Juist in den Jahren 1874 bis 1889 malt Otto Modersohn vorwiegend kleinformatige Studien und Landschaftsbilder: Feldwege und Flüsse führen den Blick in große Weiten. Das Flimmern des Lichts und das Flirren der Luft erfüllen die einfachen alltäglichen Motive. Diese Bilder stehen in der Tradition der französischen Maler des Barbizonkreises und erinnern an Daubigny, Corot, Dupré und Rousseau, an die „Intimen“, wie Modersohn diese von ihm verehrten Maler bezeichnete. Er hatte sie erstmals auf der Internationalen Glaspalastausstellung in München 1888 gesehen und notierte damals: „Sie haben diese köstliche Beseelung des Kleinsten und Unscheinbarsten in der Natur“.

Die Studien- und Wanderjahre in Westfalen
bis zur Gründung der Malerkolonie Worpswede

Otto Modersohn war ein Maler, der sich schon in früher Jugend eingehend und leidenschaftlich mit Erscheinungsformen der Natur beschäftigte, der Insekten und Pflanzen sammelte, geduldig beobachten konnte und ausgesprochen früh stetig und viel zeichnete.

Als er 1884 an die Düsseldorfer Kunstakademie kommt, ist er enttäuscht von dem, was ihm dort an künstlerischer Auffassung entgegentritt. Akademische Glätte und virtuose Könnerschaft stoßen ihn ab – er träumt von anderen künstlerischen Zielen. „Einfachheit“ strebt er an, als Haltung, als malerisches Programm und als konkreten Anlass auf der Suche nach Motiven. Nach einer Reise in den Harz (1886) schreibt er begeistert davon, wie sich ihm die „Reize der schlichten Ebene“ erschließen.

Die kleinformatigen Bilder, die er zwischen 1884 und 1889 malt, zählen für Dr. Günter Busch, dem ehemaligen Direktor der Kunsthalle Bremen „zum Schönsten und Besten, was die damalige deutsche Landschaftsmalerei des beginnenden Impressionismus überhaupt zu bieten hatte“.

Es sind zumeist Arbeiten aus der Umgebung von Soest und Münster. Sie entstanden während der akademischen Ausbildung in Düsseldorf und Karlsruhe und bezeugen das große Talent des jungen Modersohn. Mit dem, was an den Akademien in Düsseldorf und Karlsruhe gemalt wird, hat seine Arbeit wenig zu tun, und es drängt ihn, sich von all’ dem loszusagen.

Als Otto Modersohn im Juli 1889 auf einer Reise mit seinem Studienfreund Fritz Mackensen das erste Mal Worpswede erlebt, ist er überwältigt vom starken Natureindruck dieser weiten, offenen und herben Landschaft.

Der gemeinsame Aufenthalt wird immer wieder verlängert. Hans am Ende, der Studienfreund Mackensens kommt aus München dazu, und es reift der Entschluss, für ganz in Worpswede zu bleiben.

Die Ziele sind klar: Man kehrt den Akademien, den „Kunststädten“ und damit allem Modischen und Konventionellen den Rücken, um in der Natur das ersehnte „Echte“ zu finden, das Nahe, das Einfache und doch Poetische.

„Nie werde ich mit dem Gedanken auskommen, der ganze künstlerische Geist besteht aus dem Gefühl der Richtigkeit, der Regelrichtigkeit; fertig muß ein Bild sein um jeden Preis, dies halte ich für eine der unkünstlerischsten Forderungen. (Wenn überhaupt das Vollenden und Durchbilden einer Studie nicht von innen heraus, vom Verständnis getrieben geschieht, ist es für mich ganz wertlos.)“
Otto Modersohn, Düsseldorf, 18. Mai 1887

„Lebendigkeit ist mir etwas Herrliches; alles muß lebendig, charakteristisch sein, voll feiner Stimmung. Ich bin Feind alles Trockenen, Langweiligen, Harten, Gequälten … Wenn man alles klar empfindet, dann kann man es auch malen. Mein Farbengefühl verfeinert sich immer mehr.“
Otto Modersohn, Karlsruhe, 29. Januar 1889

„Alles ist bei mir Sache des Gefühls, Empfindens, was bleibt mir noch, wenn ich dies nicht hätte! Alles, vom Anfang bis zum Ende, bilde ich nach meinem Gefühl. Der Maler wird der größere sein, der das freiere, größere Gefühl besitzt. Es wird das Gefühl (und muß es) gestützt und vergrößert werden durch Beobachtung, durch Studien der Natur und anderer Meister. Aber es ist geboren mit dem wahren Künstler.“
Otto Modersohn,
Karlsruhe, 2. März 1889

„Die meisten Maler sind geistig stumpf, tot. Alles wird so gemütlich hingemalt. Das rechte Feuer, das Leben fehlt. Ein Himmel wird nur dann richtig Himmel, Luft geworden sein, wenn ich die möglichst tiefe Empfindung desselben, das Weite des Tiefen, das Unergründliche etc. in mir wach erhalte.“
Otto Modersohn, Karlsruhe, 18. März 1889