Otto Modersohn Museum

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Louise Modersohn-Breling Stiftung

Modersohn-Breling, Louise (Lolo)
geb 3.3.1883 München, gest. 17.9.1950 Hindelang; röm.-kath.
Sängerin und Malerin

Familie: Louise Modersohn-Brelings Vater Heinrich Breling (1849−1914), der in Burgdorf bei Hannover geboren und ab 1854 in Fischerhude bei Bremen aufgewachsen war, war Professor an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in München und Maler am Hofe von König Ludwig II. Am 26. Oktober 1875 heiratete er Amalie Mayer (1856−1931), die aus Mainburg stammte. Aus der Ehe gingen sechs Töchter hervor. Die Familie zog 1892 von München nach Hannover und ließ sich später in Fischerhude nieder, wo sie 1908 das neu erbaute Wohnhaus in der Bredenau bezog.

Louise Breling, die zweitälteste Tochter, verbrachte ihre Kindheit in München-Schleißheim und erhielt neben der Schule eine Musikausbildung. Bevor die Familie endgültig nach Fischerhude umzog, hielten sich die Brelings ab 1892 in den Sommermonaten bereits regelmäßig dort auf. Louise war musikalisch begabt und bekam Gesangsunterricht. Ab 1904 hatte sie Engagements als Opern- und Oratoriumssängerin in Hagen, Hannover und Berlin. Otto Modersohn, mit dem die Familie 1896 erste Bekanntschaft gemacht hatte, zog 1908 nach Fischerhude und lernte Louise Breling beim Richtfest des neuen Hauses der Familie in der Bredenau kennen. Am 24. Januar 1909 verlobten sich die beiden in Berlin und am 14. April 1909 fand die Hochzeit im Haus Breling in Fischerhude statt. Es war Otto Modersohns dritte Ehe. Zuvor war er mit Helene Schröder verheiratet gewesen, die 1900 an Tuberkulose verstarb. Seine zweite Ehefrau war die Malerin → Paula Modersohn-Becker (Bd. 2), die 1907 ebenfalls sehr früh an einer Embolie nach der Geburt ihrer Tochter starb.

Louise Modersohn-Breling gab nach der Heirat ihren Beruf als Sängerin auf. Als der Bildhauer Bernhard Hoetger (1874−1949) 1910 nach Fischerhude kam, stand sie ihm Modell für den lebensgroßen Torso „Schauende“. Im Mai 1912 unternahmen Louise und Otto Modersohn eine mehrwöchige Studienreise nach Italien mit den Stationen Venedig, Florenz, Pisa und Genua. Am 16. Oktober 1913 kam der erste Sohn Ulrich (1913−1943) zur Welt. Nachdem am 6. September 1914 Louises Vater Heinrich Breling verstorben war, zog die junge Familie im Oktober 1915 für ein gutes Jahr nach Worpswede. Von dort unternahm das Künstlerpaar im Sommer 1916 eine erste ausgedehnte Studienreise nach Franken. Am 13. Oktober 1916 wurde der zweite Sohn Christian geboren (1916−2009). Die Familie kehrte im Frühjahr 1917 nach Fischerhude zurück und Louise Modersohn-Breling widmete sich zunehmend der Malerei. Es entstanden zahlreiche Porträts der Familie und der engeren Freunde.

In den 1920er Jahren trieb sie ihre eigene künstlerische Entwicklung voran. Sie setzte sich mit dem deutschen Expressionismus auseinander und verteidigte 1920 in einem offenen Brief in den Bremer Nachrichten den Maler Karl Schmidt-Rottluff (1884−1976), der anlässlich einer Ausstellung in der Bremer Kunsthalle öffentlich angegriffen worden war. Belastend wirkte sich aus, dass sie durch den posthumen Erfolg Paula Modersohn-Beckers, die zunehmende Nachfrage des Kunstmarktes und das Erscheinen der Briefe und Tagebuchblätter als dritte Ehefrau in den Schatten ihrer Vorgängerin geriet. So wurde ihr vorgeworfen, sie signiere ihre Bilder (LMB.) ähnlich wie Paula Modersohn-Becker (PMB.), um ahnungslose Kunstinteressierte zu täuschen, wogegen sie sich gerichtlich zur Wehr setzte.

Louise Modersohn-Breling war Mitglied in der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft, der Hannoverschen Sezession und des Nordwestdeutschen und Bremer Künstlerbundes, an deren Ausstellungen sie sich beteiligte. Ein Besuch des Hamburger Malerehepaares Friedrich Ahlers-Hestermann (1883−1973) und Alexandra Povorina (1885−1963) in Fischerhude führte 1922 zu einer gemeinsamen Studienreise nach Wertheim. Im engen Austausch mit den Kollegen vor zuweilen denselben Motiven genoss man die gegenseitigen Anregungen. Die nach Wertheim mitgereisten Maler und Malerinnen kannten sich aus Paris, verkehrten im Café du Dôme, waren Mitglieder der Académie Matisse und tauschten sich an den Abenden, die nach ertragreichen Tagen der gegenseitigen Korrektur gewidmet waren, vor allem über französische Künstler und Malerei aus. Louise Modersohn-Breling malte einige Gassenbilder in Kreuzwertheim und in der näheren Umgebung Wertheims. 1923 folgten Studienreisen nach Iphofen und Sulzfeld, 1924 nach Würzburg und wiederum Wertheim, wo sie in den wohl produktivsten Wochen ihres Lebens zahlreiche Ansichten der Stadt, insbesondere Bilder der Wertheimer Gassen, malte, die den Bildern ihres Mannes in nichts nachstehen. 1925 reisten Louise und Otto Modersohn anlässlich seines 60. Geburtstages nach Emden zum Kunsthändler Max de Beer und anschließend nach Holland, wo sie die Museen in Den Haag, Harlem und Amsterdam besuchten. Im Juli desselben Jahres hielten sie sich in Würzburg auf dem Gut „Neue Welt“ bei der Malerin Gertraud Rostosky (1876−1959) auf, die dort in den Sommermonaten Künstler und Schriftsteller um sich versammelte. Anschließend erfolgte eine erste Reise ins Allgäu nach Fischen und Oberjoch. 1926 reisten Louise und Otto Modersohn erneut nach Würzburg. Wiederum schloss sich eine Studienreise ins Allgäu nach Unterjoch, Kempten und nach München an. Auch in den Jahren 1927, 1928 und 1929 unternahmen sie gemeinsame Studienreisen ins Allgäu. Louise Modersohn-Breling malte die Porträts ihrer Wirtsleute und eindrucksvolle Bildnisse der Bergbevölkerung. 1930 erwarben die Modersohns ein altes Bauernhaus auf dem Gailenberg oberhalb von Hindelang als zweiten Wohnsitz der Familie. Das Haus wurde ganzjährig von Louise Modersohn-Breling bewirtschaftet. Im Allgäu entstanden großartige Bilder der Bergwelt. Die Künstlerin widmete sich neben der Malerei zunehmend der Astrologie und religiösen Fragen. Auch Sagen und Märchen des Allgäus wurden von ihr gesammelt. Sie vervollkommnete außerdem ihr Wissen über Pflanzen und Heilkräuter des Allgäus.

Das Jahr 1943 brachte für Louise Modersohn-Breling schwere Schicksalsschläge: Otto Modersohn starb nach kurzer Krankheit am 10. März. Am 14. Juli fiel ihr Sohn Ulrich in Russland. Nur wenig später wurde ihre 22-jährige Nichte → Cato Bontjes van Beek (Bd. 1), die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war, wegen „Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrats“ hingerichtet. 1947 ließ sich Louise Modersohn-Brelings Sohn Christian auf dem Gailenberg im Allgäu nieder und heiratete Anna Lipp (1921−1997). 1948 erfolgte der Ausbau des Gailenberger Hauses für eine ständige Ausstellung des Modersohn-Nachlasses. Im selben Jahr wurde der Enkelsohn Heinrich geboren. Louise Modersohn-Breling starb am 17. September 1950 infolge eines Hirnschlags.

Nachlass: Otto-Modersohn-Museum Fischerhude.

Werke: Otto-Modersohn-Museum Fischerhude; Grafschaftsmuseum Wertheim im Modersohn-Kabinett. Dort werden Bilder von Louise Modersohn-Breling ständig gezeigt.

Literatur: Wolfgang Schuller: Louise Modersohn-Breling (1883–1950) − Die gemeinsamen Studienreisen nach Wertheim mit Otto Modersohn 1922/1924, in: Louise Modersohn-Breling. Malerin des expressiven Realismus 1883−1950 (Wertheimer Museumsschriften Heft 12), Wertheim 1989, Seite 13; JÖRG PACZKOWSKI: Malen mit Lust und aus eigener Kraft– Gedanken zum Werk von Louise Modersohn-Breling, in: Louise Modersohn-Breling. Malerin des expressiven Realismus 1883−1950 (Wertheimer Museumsschriften Heft 12), Wertheim 1989, Seite 30; ALICE GUDERA: Louise Modersohn-Breling (1883–1950), in: ALICE GUDERA, DONATA HOLZ, BÄRBEL NACHTWEY, BÄRBEL SCHÖNBOHM: … und sie malten doch! Geschichte der Malerinnen −Worpswede, Fischerhude, Bremen, Fischerhude 2007, S. 113; ULRIKE HALBE-BAUER u. BRIGITTA NEUMEISTER-TARONI: Ich mache es auf meine Art – Bedeutende Künstlerinnen: Louise Modersohn-Breling (1883–1950) – Die Nachfolgerin, Stuttgart 2011, S. 107; Otto Modersohn. Louise Modersohn-Breling. Die Reisen nach Franken 1916–1927, Katalog zur Ausstellung 2001, hrsg. vom Otto-Modersohn-Museum Fischerhude und Grafschaftsmuseum Wertheim, Redaktion Christian Modersohn u. Rainer Noeres, Fischerhude 2001; Tradition und Aufbruch. Würzburg und die Kunst der 1920er Jahre, Katalog zur Ausstellung 2003/2004, hrsg. vom Museum im Kulturspeicher Würzburg, Redaktion Bettina Kess u. Beate Reese, Würzburg 2003.

Porträts: Drei Porträts von Louise Modersohn-Breling, Gemälde von Otto Modersohn, davon zwei im Otto-Modersohn-Museum, Fischerhude

Rainer Noeres