Otto Modersohn Museum

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Johanna Eißler Stiftung

Johanna Eißler (1901–1981)
Jeder Strauß ein Fest …

Im Sommer zeigt die Stadt Bruchsal die Blumenbilder von Johanna Eißler.

Johanna Eißler starb 1981 im Alter von 79 Jahren. Zeitlebens hat sie nichts weiter beansprucht, als sich und anderen zur Freude zu malen. Johanna Eißler gelang es, ihre Mitmenschen durch ihre schlichten und doch so vielfältig ansprechenden Blumenstilleben zu beglücken. In Wahrheit bedeutet ihr Schaffen jedoch „Ausdruck eines bewußten künstlerischen Wollens, das ohne Umschweife aussagt, anredet und so sein Gegenüber, den Mitmenschen vor dem Bilde geradewegs erreicht.“.

(Dr. Günter Busch, ehemaliger Direktor der Kunsthalle Bremen)

Johanna Eißler, in Bruchsal im Badischen geboren, war weitgereist und arbeitete als Erzieherin, bevor sie 1936 auf Empfehlung zu Otto Modersohn nach Fischerhude kam. Man erzählt von ihr, daß sie eigentlich aus Sparsamkeit zur Malerei fand. Sie benutzte anfänglich die nicht ganz ausgedrückten Farbtuben Otto Modersohns für ihre ersten Bilder, die schon bald Anerkennung fanden. Johanna Eißler stand nicht nur dem Haushalt Otto Modersohns vor, sie war ihm in den letzten Jahren seines Lebens auch menschlich und künstlerisch eine verständnisvolle Hilfe, getragen von gegenseitiger hoher Wertschätzung und wechselseitiger Anregung. Modersohn, von dem sie manches gelernt hat, und auch der Maler Hans Meyboden sahen und schätzten ihre naturgegebene Begabung, ohne die selbstgewählte Bescheidenheit ihrer Art künstlerisch zu beeinträchtigen.

In den sechziger Jahren leitete Johanna Eißler die von der Bremer Böttcherstraße übernommene „Fischerhuder Kunstschau“ und wurde damit die „gute Seele der Kunst“ in Fischerhude, dem kleinen Dorf der Bauern und Künstler, unweit von Bremen.

Erst im Dezember 1969 zeigte sie auf Drängen der befreundeten Maler erstmals in der Fischerhuder Kunstschau ihre Blumenbilder. Friedrich Netzel richtete ihr dann 1978 eine umfangreiche und vielbeachtete Retrospektive in der Worpsweder Kunsthalle ein.

Johanna Eißler beschränkte sich ihr Leben lang auf ein Thema: das Blumenstilleben. Und wiederum suchte sie nie nach ausgefallenen Sorten und künstlichen Arrangements, sondern sie malte die Blumensträuße so, wie sie vor ihren Augen standen. Die Vielzahl der ausgestellten Bilder holt die ganze Blütenfülle der wechselnden Jahreszeiten ins Haus, vom einfachen bunten Frühlingssträußlein über die volle Rosenblüte bis zum farbenprächtigen Herbstgebinde. Unter Verzicht auf stillebenhafte Zutaten gilt die Aufmerksamkeit allein dem einzelnen Blumenstrauß, der meist durch einen einfachen, atmosphärisch mitschwingenden Hintergrund gehalten wird. Eine gerade oder halbrund begrenzte Tischkante dient lediglich zur Angabe der Standfläche für die Vase. Diese Form der Komposition und die malerische Diktion haben sich in einem jahrzehntelangen Schaffen nicht verändert. Dennoch wirkt jeder Strauß neu gesehen.