Schriftzug Otto-Modersohn-Museum
die Hans Meyboden Stiftung
ber die Malerei von Hans Meyboden
Biographie Hans Meyboden

Meyboden Tisch

Hans Meyboden
Roter Tisch, 1958

Die Hans Meyboden Stiftung

Die projektierte Erweiterung der Otto Modersohn Stiftung um den Nachlass von Hans Meyboden (1901-1965) wurde per "Zustiftungsankündigung" vom 3. März 2009, am 16. Mai 2009 vom Stifter Lorenz Meyboden und Christian Modersohn - dem Gründer der Otto Modersohn Stiftung - unterzeichnet.
Wie aus der Stiftungsankündigung ersichtlich, handelt es sich um keine rechtskräftige Zustiftung mit bindender Verpflichtung. Es ist eine Vereinbarung, die den beiderseitigen Widerruf einschließt. Sie erhält ihre Bindung, wenn bis zum 31.12. 2018 eine geeignete und permanente Ausstellungsmöglichkeit für diesen Nachlass eingerichtet wurde.

Die Zielsetzung der Otto Modersohn Stiftung ist, dem Werk Hans Meybodens eine dauerhafte Präsenz zu geben und die Stiftung durch Zustiftungen in ihrem Bestand zu weiten.

2001 richtete das Otto Modersohn Museum zusammen mit dem Kunstverein Fischerhude - aus Anlass des 100. Geburtstages von Hans Meyboden - seinem Werk eine umfangreiche Retrospektive aus. Viele Bilder und Graphiken dieser Ausstellung waren Leihgaben der Familie Meyboden, die fast sämtlich in die Stiftung eingehen sollen. Der Nachlass befindet sich im Depot des Otto-Modersohn-Museums. Er ist im Einzelnen erfasst.

Das Ding, die menschliche Figur und die Landschaft waren für Meyboden unverzichtbare Darstellungsgegenstände. Er hielt zeitlebens an der Überzeugung fest, dass den äußeren Erscheinungen der Welt eine besondere Ausstrahlung und Wirkkraft innewohne. Über deren Darstellung wollte er einer inneren Welt Ausdruck verleihen.

Die künstlerischen Anfänge Hans Meybodens orientieren sich am Expressionismus Oskar Kokoschkas, dessen Schüler er von 1919 bis 1923 an der Dresdner Kunstakademie ist. Bereits in seiner Berliner Zeit (1925-1935) wendet er sich jedoch einer gemäßigt modernen Malerei sehr malerischer Gegensätzlichkeit zu. An den äußeren Erscheinungen der Welt, nämlich an den menschlichen Figuren, den Dingen und der Landschaft, hält Hans Meyboden zeitlebens fest. Die Hauptthemen seiner Malerei sind Landschaft, Porträt, Figurenbild und Stilleben. Das "stille Leben" der Dinge durchzieht, oft als ein Pendant zur menschlichen Figur, leitmotivisch sein gesamtes Schaffen.

In den Nachkriegsjahren wandelt sich sein Stil hin zu einer starken Vereinfachung und radikalen Verflächigung der nunmehr schwarz konturierten Gegenstände. Die Kompositionen werden häufig durch ein Gerüst aus Linien sowie durch ornamentierte Flächen gegliedert, die zu den sparsam verteilten Gegenständen in Spannung gesetzt sind. Die Farbigkeit ist leuchtend und kontrastreich, viele Bilder basieren auf dem Dreiklang von Rot, Gelb und Grün.

Das zentrale Motiv des Fensters wird zum Symbol einer Teilhabe an der Welt, ihren Menschen und Dingen aus einer gewissen Distanz heraus. In den letzten Lebensjahren entstehen stark verinnerlichte Figurenbilder, die die Einsamkeit des Menschen thematisieren. Seine späten Landschaften reflektieren in Farbigkeit und Pinselduktus das Erlebnis der drei Provencereisen von 1962 bis 1964.

Die Portraits, Landschaften, Stilleben und Figurenbildern werden in ihrer Farbigkeit von der differenzierten Nuance bestimmt. Meyboden formte das Sichtbare, den Gegenstand zum Bild ohne Abbilder zu schaffen. Die Formensprache der Bilder der 50-60er Jahre wirkt zuweilen zeitgebunden. Erscheinungen der Dinge lassen sich zeitlich verorten, werden aber eingebunden in das Bildgefüge.

"Es hat niemals eine ihre Zeit überdauernde Kunst gegeben, die nicht vollgültiger Ausdruck dieser Zeit gewesen wäre, und nicht nur das, sie ging mitunter ahnend der Zeit voraus oder hat sie überhaupt gestaltet ... Die Kunst kann so zeitgestaltend, ja so politisch sein wie sie nur mag, nur muß es innerhalb ihrer Gesetzlichkeit geschehen."
(Karl Hofer - Kunst und Politik, in: bildende Kunst, 1948, Heft 10, S.20)

Er blieb seinen an der Bildtradition orientierten Zielen treu, auch in den Jahren nach dem Krieg, der Zeit des Wiederaufbaus, als die gegenstandslose Malerei Triumphe im Namen vermeintlicher Freiheit feierte, jedwede Bildgegenständlichkeit als künstlerisch reaktionär galt und als gestrig verächtlich gemacht wurde. Erinnert sei an die erbitterte Auseinandersetzung zwischen Karl Hofer, der für eine Kunst der objektgebundenen Form eintrat und will Grohmann, dem Verfechter der ungegenständlichen, ungebundenen Kunst, im Jahre 1955.

"Wer für die Zukunft arbeitet, muß den Mut haben, in der Zeit unmodern zu sein." - "Das was die Eiferer geringschätzig und verdammend imitative Kunst zu nennen belieben, macht, soweit es sich nicht um banalen Naturalismus handelt, Dinge sichtbar, die weder das Auge noch die photographische Linse in der Natur je wahrnehmen können. Sie macht Dinge sichtbar, die von gegenstandsloser Kunst nicht sichtbar gemacht werden können, das Unsichtbare des Sichtbaren. Die Abstraktion hingegen läßt dasjenige in Erscheinung treten, was gegenständlicher Kunst nicht erreichbar ist, was auch gänzlich außerhalb ihrer Aufgabe liegt, den sehr engen Kreis der Formgestaltung überschreitet und sich außerhalb jeglicher Kontrolle begibt ..."
(Karl Hofer - Zur Situation der bildenden Kunst, in: der Monat 7, 1955, H.77 S. 426)

Es gibt ein ganz bestimmtes Geheimnisvolles der Darstellung im Bilde, das nicht in der Natur sondern nur in unserer Seele seinen Ursprung hat.
Das Eigenartige ist, daß im Augenblick und im Erlebnis der Natur sich dieses Geheimnisvolle der Seele entzündet und sich mit dem Gegenstand der Welt verbindet.

Hans Meyboden, undatierte handschriftliche Notizen.

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Über die Malerei von Hans Meyboden (Auszug)
Fläche, Farben, Gestimmtheit

Franz Joseph van der Grinten

Was Hans Meybodens Bilder vor allem charakterisiert, ist das unscheidbare Einswerden von Gegenständlichkeit und Abstraktion. Nie sind sie ohne erkennbare Inhalte, nie aber auch schildern sie oder beschreiben. Alle Dinge in ihnen sind Formen, der Form von Vorgegebenen analog und doch autonom, Flächenkörper, einander benachbart, nicht nach Bedeutung gewichtet, sondern gleichwertig. Und so wird denn auch nicht Botschaft übermittelt, sondern Befindlichkeit zu spüren gegeben. Fern aller Dramatik ruhen die Dinge in sich, so zwar, daß man so etwas wie ihr Pulsieren wahrzunehmen meint. (...) Das Bewußtsein vom Bild als einer geordneten Fläche, die Absage an den Illusionismus von Licht und Schatten und von perspektivischer Tiefe (prägen seine Bilder). Das Gleichwertige ist gleich nah; Konturen bilden ein Liniengitter; was schräghin floh und schwand, ist in die Bildebene geklappt, Draufsicht und Seitenansicht finden sich nebeneinander, ohne daß die eine die andere in Frage stellen würde.

Ans Zeichenhafte gewöhnt, erkennen wir die Dinge in dem, was ihre Zeichen sein könnten, und selbst Musterungen geben sich als regelhafter Teil von Wirklichkeit oder übernommenem Artefakt. Eine künstliche Welt und doch zugleich eine natürliche, dem Natürlichen in jedem Fall nahe. Das mag vor allem der Gestimmtheit zu danken sein: die Bildfläche ein Lebensraum. Die Farbigkeit ist mehr eine der Nuancen als eine der Kontraste. Auch der Gegensatz von Helligkeit und Dunkelheit dämpft sich dadurch. Wenn der Farbklang lebhaft ist im Leuchten einzelner Kompartimente, so sind es dann nah benachbarte Töne, die zueinander finden, und ihr Zusammenklang ist gewissermaßen chromatisch. Jede einzelne Farbfläche aber spielt auch in sich, was homogen erscheint, ist vielfältig gemischt, nicht im modellierenden Sinne freilich, sondern modulierend, der Flächencharakter bleibt gewahrt. Und es ist die Gestimmtheit der Flächen, die den imaginären, quasi virtuellen Farbraum erzeugt. Er ist ein aus Harmonie lebender. Nicht dramatisch, nicht Aktion fingierend, sondern still, ruhig, von Nachdenklichkeit getragen, verhalten in dem Halt, den er sich gibt. Zeitlos denn auch in dieser seiner Zuständlichkeit. Kein Rapport von Aktualitäten, auch nicht zur Zeit der Entstehung der Bilder. Man könnte ihre Welt arkadisch nennen, wenn schon in Gedämpftheit; selbst die dunkelsten Bilder lasten nicht, sie sind frei von Grauen und Bedrückung. Eher ist etwas von gelassener Erwartung darin. Es ist eine sehr nach innen gewandte Weltsicht, die sich in diesen Bildern entäußert. Sich nicht verwehrend, öffnet sie sich, und ihre sanfte Dichte ist dazu angetan, einzuladen, und wer sich angezogen fühlt, mag sich dabei, auch selbst nachdenklich werdend, wohl befinden.

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Meyboden - Die Gärtnerin, 1960, Radierung

Hans Meyboden
Die Gärtnerin,
1960, Radierung

Biographie Hans Meyboden (1901 - 1965)

Hans Meyboden (20. Februar 1901 - 5. März 1965) wurde in Verden/Aller geboren. Kindheit und Jugend verbringt er in Verden und Bremen, wohin sein Vater 1914 als Richter versetzt wird.
Im Alter von sieben Jahren verliert Hans Meyboden die Mutter, die an einem Nervenleiden stirbt. Schon früh wendet sich der Junge der Kunst zu, besucht häufig die Kunsthalle, kopiert auf Anregung des damaligen Direktors Emil Waldmann die alten Meister und beginnt auch eigene Bilder zu malen, gegen den Willen des strengen Vaters, der dem Jungen eine Ausbildung als Jurist oder Theologe angedeihen lassen möchte.

Emil Waldmann schickt Meyboden 1918 zur Beratung in die Kunstgewerbeschule nach Hamburg, wo Direktor Otto Czeschka ihm empfiehlt zu Kokoschka an die Dresdner Akademie zu gehen um dort Malerei zu studieren. Kokoschka, der sein Lehramt gerade angetreten hatte nahm ihn in seiner Klasse auf und wird zur prägenden Persönlichkeit für die weitere Entwicklung Hans Meybodens, der schon früh Förder und Sammler findet. Schon 1919 beteiligt er sich an der I. Internationalen Kunstausstellung in Düsseldorf.

Das Jahr 1923 bringt einschneidende Veränderungen: Kokoschka beendet seine Lehrtätigkeit in Dresden und der Vater stirbt durch Herzversagen in Bremen. Ein Bildverkauf an den Norddeutschen Lloyd ermöglicht die Schiffspassage nach Amerika, wo auch einige Bilder entstehen.
1924 kehrt er nach Deutschland zurück. Ein Skiunfall hinterläßt ein Nervenleiden, das in lebenslänglich beeinträchtigt. Er zieht nach Berlin. Es folgen Jahre voller Entbehrungen im Ringen um die Kunst, in ständiger Auseinandersetzung mit den künstlerischen Entwicklungen und Strömungen seiner Zeit. Körperliche Beeinträchtigungen durch Krankheiten verhindern die kontinuierliche Arbeit, die durch Kuraufenthalte in Davos und im oberen Rhônetal unterbrochen wird. Aber auch dort malt er beeindruckende Landschaften.

In Berlin erhält er 1930 durch die Fürsprache Max Liebermanns und Ulrich Hübners für drei Jahre ein Meisteratelier an der Preußischen Akademie der Künste. Freundschaften mit dem Schriftsteller Walter Harich, dem Regisseur Jürgen Fehling und dem Schauspieler Bernhard Minetti fallen in diese Zeit. Es stellen sich erste Erfolge ein: Die Berliner Galerien Nierendorf, Buchholz und Cassirer zeigen seine Bilder.

Die Jahre 1935-1938 sind von schwerer Depression geprägt. Auf Anraten eines Freundes aus Norddeutschland kommt er 1935 nach Fischerhude. Dort bezieht er 1938 das Atelier des verstorbenen Malers, Architekten und Tischlers Wilhelm Heinrich Rohmeyer. In der Familie Rohmeyer findet er Zuwendung und Pflege. Er malt wieder: Menschenbildnisse, Landschaften, Herbststräuße und Stilleben. Beteiligung an Gruppenausstellungen in München, Mannheim, Hannover und Hamburg. Häufige Besuche bei Otto Modersohn, in dessen Atelierwohnung er auch Bilder der von ihm hochgeschätzten Paula Modersohn-Becker sieht. 1939 zeigt das Graphische Kabinett in Bremen eine Einzelausstellung.
Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges wird er vom Kriegsdienst aus gesundheitlichen Gründen befreit.
Auch während des Krieges stellt er in Mannheim, Münster, Recklinghausen, Frankfurt/Main und Essen aus. Eine Ausstellung in der Berliner Galerie Buchholz wird nach erster Begutachtung verboten. Hingegen kann er 1942 im Kunstverein Münster ungehindert ausstellen. Das Kriegsende erlebt Meyboden in der Schweiz, wo er erneut wegen Tuberkulose behandelt wurde.

1946 kehrt er nach Fischerhude zurück und heiratet Gretlies Rohmeyer, die Tochter des Malers Rohmeyer. Es folgt ein mühsamer Neubeginn, mittellos und ohne Atelierraum, richtet er sich in einem alten Backhaus ein, das seine Frau in Selbsthilfe bescheiden ausgebaut hat. Gretlies Meyboden sichert den Lebensunterhalt mit dem Weben von Stoffen.

1948 stellt Meyboden erstmals in der Kunsthalle Bremen aus. Bilderverkäufe geben neuen Mut.
1951 und 1954 werden die Kinder Lorenz und Petra geboren.
Rege Ausstellungstätigkeit: 1952 Mannheimer Kunsthalle, 1953 Kunsthalle Bremen,1954 Hamburger Kunstverein, Haus am Waldsee in Berlin-Zehlendorf.
1955 Karlsruher Kunsthalle, Oldenburger Kunstverein, Neues Forum in der Böttcherstraße in Bremen. Im selben Jahr bauen sich Meybodens ein Atelier/Werkstatt/Wohnhaus in Fischerhude-Quelkhorn am Mühlenberg. Meyboden erhält den Preis der Stadt Hannover (Maler sehen Hannover) und den Kunstpreis der Böttcherstraße. Er nimmt an der Biennale So Paulo teil.
1956 ehrt ihn der Kunstverein Bremerhaven mit einer Einzelausstellung.
Er folgt dem Ruf als Professor an die Karlsruher Akademie und übernimmt die Malklasse an der Außenstelle in Freiburg.
Es folgt ein Jahr erneuter Leiden und Schmerzen: Knochentuberkulose am Bein, Operation, monatelang im Gips.
Große Ausstellung im Kunstverein Hannover. Ankauf von 10 Bildern durch das Kultusministerium und das Landesmuseum in Hannover.
1960 ernennt ihn die Akademie der Künste in Berlin zum Mitglied.

Reisen - 1961 nach Paris im April, 1962 erste Provence-Reise, der 1963 und 1964 weitere Reisen folgen. Im hellen Licht der Provence verändert sich die Farbigkeit der Bilder, seine Malerei lockert auf. Helle Landschaften führen zu neuen künstlerischen Zielen - Hinwendung zum Menschenbild.

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