Otto Modersohn Museum

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Worpswede

After having visited Worpswede for the first time, Otto Modersohn wrote in his diary: “Wednesday, 3rd of July 1889 I arrived here with F. Mackensen in joyful anticipation. I immediately saw that my expectations would not be deceived. I found a most original village, which made quite a strange impression on me; the hilly sandy ground in the village, the large moss-covered straw roofs and on each side, as far as one could see, everything so far and large like on the sea”. The artist felt inspired by this special type of landscape. Being aware of the contrast to the academic art of his time Modersohn looks for the “natural”, the “original”, the “unspoilt”. He left the academy to move to Worpswede.

Around 1889/90 Otto Modersohn began to use more expressive colours that consolidate themselves to masses. His prefered motives were the dunes and pools in the Teufelsmoor, the Hammewiesen and the Weyerberg. Groups of trees, trunks of birches and moorland ditches with reflections alternate with

His ideal is an art which goes beyond the optical view grasping the essence of the object documenting nature in its purest form.

Please note: This text is currently only available in German.

Im Juli 1897 besucht Paula Becker die Künstlerkolonie Worpswede und versucht eine Charakterisierung ihrer Mitglieder:

„Ich habe ihn nur einmal gesehen und da auch leider wenig gesehen und gar nicht gefühlt. Ich habe nur in der Erinnerung etwas Langes in braunem Anzuge mit rötlichem Bart. Er hatte so etwas Weiches, Sympathisches in den Augen. Seine Landschaften, die ich auf den Ausstellungen sah, hatten tiefe, tiefe Stimmungen in sich. Heiße brütende Herbstsonne oder geheimnisvoll süßer Abend.
Ich möchte ihn kennenlernen, diesen Modersohn.“
(Aus: Paula Becker, Tagebuch, 24. Juli 1897)

Zwei Jahre nach dem großen Ausstellungserfolg der Worpsweder in München, im Sommer 1897, benennt sich der „Künstler-Verein Worpswede“ in die „Künstlervereinigung Worpswede“ um. Der Verein soll einerseits der zunehmenden Entfremdung der einzelnen Gruppenmitglieder untereinander entgegen wirken und andererseits helfen, die zahlreichen gemeinsamen Ausstellungen besser zu organisieren. Geschäftsführer wird Hans am Ende. Aber trotz der Vereinsgründung wachsen die seit dem „Durchbruch“ 1895 schwelenden Spannungen innerhalb der Worpsweder Künstlergemeinschaft.

Die zahlreichen Bildverkäufe ermöglichen Otto Modersohn den Ankauf eines eigenen Hauses in der Hembergstraße. Im September 1897 heiraten Otto Modersohn und Helene Schröder. Am 6. August 1898 wird die Tochter Elsbeth geboren. Der Gesundheitszustand Helene Schröders verschlechtert sich. Seit 1893 ist sie an Tuberkulose erkrankt. Paula Becker wird Malschülerin von Mackensen.

Vom 26. Mai bis zum 27. Juli besucht der schlesische Dramatiker Carl Hauptmann und ältere Bruder Gerhart Hauptmanns, Worpswede. Zu Otto Modersohn entwickelt sich ein freundschaftliches Verhältnis.

Im Juli 1899 erklärt Otto Modersohn seinen Austritt aus der Künstlervereinigung.

„Ich verkenne durchaus nicht, daß unsere Vereinigung uns zu unserer Einführung die größten Dienste geleistet hat, aber sie fängt ernstlich an, durch alle mit ihr verbundenen Pflichten gegen Welt und Ausstellungen und besonders auch gegeneinander, uns über den Kopf zu wachsen. Sie bedroht unsere Ruhe, die man zum künstlerischen Schaffen in erster Linie braucht. Hiergegen gibt es nur ein Radikalmittel: Die Auflösung der Vereinigung.“
(Otto Modersohn, Rundbrief an die Freunde vom 25. Juli 1899)

Fritz Mackensen und Hans am Ende sind über den Austritt Otto Modersohns entsetzt. Heinrich Vogeler und Fritz Overbeck zeigen Verständnis für Otto Modersohns Entschluss und schließen sich seinem Austritt an. Ein neues Kapitel Worpswedes steht bevor.

1900–1907
Die gemeinsame Zeit mit Paula Modersohn-Becker

1898 sind sich Paula Becker und Otto Modersohn zum ersten Male in Worpswede begegnet. 1900 stirbt in Worpswede Otto Modersohns erste Frau Helene während seiner Reise nach Paris zur Weltausstellung, die er auf Paula Beckers drängendes Bitten zusammen mit Overbecks besucht hatte.

Aus der Begegnung mit Paula Becker entspinnt sich in der folgenden Zeit eine tiefe menschliche Zuneigung, die im intensiven schöpferischen Austausch der beiden Künstler ihren Ausdruck findet. Freilich gab es in der Verbindung zweier so starker und eigenwilliger Künstlernaturen auch Spannungen. So suchte Paula Modersohn mehrfach in Paris künstlerische Anregungen, die ihr Worpswede in dieser Vielfalt nicht bieten konnte. Welche Anregungen Paula Modersohn-Becker in den fruchtbaren Jahren ihres kurzen Lebens aufgenommen und in ihrem Schaffen für sich umgeformt hat, wird durch ihre Tagebuchaufzeichnungen und Briefe oder durch die Aussagen ihrer Freunde belegt. Diese Zeugnisse verdeutlichen, dass ihr Otto Modersohn lange, und zuletzt wieder, menschlich weitaus am nächsten stand und selbst in der für ihn schweren Zeit der vorübergehenden Trennung der Einzige war, der ihre eminente Begabung förderte. Ausgehend von dem gemeinsamen Erlebnis der Entdeckung der Landschaft Worpswedes und der in ihr lebenden Menschen, strebten beide – in der Abneigung gegen Konvention, Pathos und Veräußerlichung – Einfachheit an, als malerisches Programm und als menschliche Haltung. Die zunächst von Otto Modersohn allein, dann gemeinsam mit seiner Frau erarbeitete Maxime „Das Ding an sich in Stimmung“ wurde schließlich zu einem von beiden oft gebrauchten Schlüsselbegriff für eine neue Gegenständlichkeitsauffassung. Aber erst die gründliche Kenntnis der tiefen Zusammenhänge und Hintergründe dieser künstlerischen Wechselbeziehung erlaubt eine echte Einschätzung der hieraus später erwachsenen selbständigen Verdienste. Als Paula Modersohn-Becker 1907 im Alter von 31 Jahren starb, hatten ihre Bilder nur wenige gesehen, da zunächst unverstanden, auch von den Freunden und Kollegen in Worpswede. Nur ihrem Mann waren Paula Beckers – der damaligen Zeit vorauseilenden – künstlerische Vorstellungen vertraut.

Er empfand den Gegensatz ihrer künstlerischen Anschauungen als dankbare Ergänzung und gegenseitige Anregung. Die Tragik des frühen Todes seiner zweiten Frau veranlasste Otto Modersohn von Worpswede in das benachbarte Fischerhude überzusiedeln. Als er 1908, 43jährig, nach Fischerhude kam, war er auch durch den anregenden, wechselseitigen künstlerischen Austausch mit einer der wichtigsten europäischen Künstlerinnen für einen Neuanfang in besonderer Weise vorgeprägt.